Die Städtepartnerschaft zwischen Witten und Kursk

 

 

Die Geschichte der Städtepartnerschaft zwischen Witten und Kursk begann im Oktober 1987. Es trafen sich 19 Frauen und Männer aus Witten und gründeten einen Verein - den Freundeskreis Witten-Kursk zur Gründung einer Städtepartnerschaft.

Bereits 2 Jahre vorher entstand die Idee einer Partnerschaft mit einer sowjetischen Stadt als friedensstiftende Maßnahme zwischen Bürgern. Es gab einen Brief nach Kursk. Unser Wunsch war, mit Menschen in einer Stadt Kontakt zu bekommen, die besonders unter der deutschen Aggression gelitten hatten, um mit ihnen zu einer Aussöhnung zu kommen. Es kam eine Antwort vom dortigen „Club Globus“, einem Verein, der Kontakte zu ausländischen Besuchern sucht und über Reisen ins Ausland berichtet. Der Club ging auf unsere Wünsche nach Aussöhnung sehr positiv ein und lud uns ein. Im Oktober 1988 fuhren wir zum ersten Male nach Kursk.

Die Reise war ein großes Erlebnis. Die Warmherzigkeit und Gastfreundschaft der Menschen dort und die interessanten Gespräche mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und den Veteranen des zweiten Weltkrieges ließen sofort einen herzlichen Kontakt entstehen. Beim Abschied war uns klar: Wir wollen eine Partnerschaft mit diesen Menschen, mit dieser Stadt!

Wittener Besuchergruppe 1988 bei den Kriegsveteranen in Kursk

 

Es war uns bewusst, dass diese Partnerschaft nicht nur auf privater Basis existieren konnte. Deshalb reisten 1989 drei Vertreter Wittener Friedensgruppen auf Einladung des Kursker Friedenskomitees erneut nach Kursk. Der Antikriegstag am 1.September, traditionell dort auch der erste Schultag nach den Ferien, wurde gemeinsam begangen. Die Wittener konnten zu den Kindern sprechen. Gemeinsam mit den Schulkindern legte der Freundeskreis Witten-Kursk einen Kranz an der Gedenkstätte für die Opfer des zweiten Weltkrieges nieder. Es gab auch Kontakte mit den Vertretern der politischen Gremien. Da bereits eine Städtepartnerschaft zwischen Kursk und Speyer entstanden war, schlug einer der Kursker Vertreter vor, dass eine offizielle Partnerschaft zwischen Witten und dem (damals noch selbständigen) Kursker Stadtteil „Industrie“ angestrebt werden soll. Bei einem Besuch beim Bürgermeister dieses Stadtteils entstand schließlich eine gemeinsame, schriftlich formulierte Willenserklärung für diese Partnerschaft.

Diese Willenserklärung half in Witten weiter. Unterstützung fanden wir besonders bei Klaus Lohmann, der bald darauf Bürgermeister in Witten wurde. Es kam zu direkten Verhandlungen zwischen den Bürgermeistern von Witten und dem Kursker Stadtteil „Industrie“.

Im August 1990 wurde schließlich der Partnerschaftsvertrag von Verantwortlichen beider Städte in Kursk unterschrieben. Bei einem offiziellen Gegenbesuch im März 1991 wurde der Vertrag nochmals in Witten unterzeichnet.

 

Angemerkt sei noch, dass der Kursker Oberbürgermeister einen Prozess eingeleitet hat, an dessen Ende die Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages zwischen Witten und der Gesamtstadt Kursk stand. Dies erschien sinnvoll, weil in Kursk die Verwaltungsselbständigkeit der Stadtteile aufgehoben wurde.

Der veränderte Partnerschaftsvertrag wurde am 24. September 2006 von Jürgen Dietrich, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Witten und Yuri Parahin, amtierender Bürgermeister von Kursk, offiziell unterschrieben. Den nachstehend abgedruckten Bericht darüber brachte die WAZ Witten am 6.10.2006.

 

Wie kaum eine andere geriet die Städtepartnerschaft Kursk-Witten in das Bewusstsein der Wittener Bürger, als die akute Notlage nach den politischen Umbrüchen in der Sowjetunion eine breite Solidarität auslöste. Nach Aufrufen der Wittener Stadtspitzen Weihnachten 1990 spendeten die Bürger und Geschäftsleute Wittens und der umliegenden Städte innerhalb zweier Jahre annähernd 2 Mio. DM an Bargeld, riesige Mengen an Kleidung, Schuhen, Medikamenten, Lebensmitteln und sonstiger Hilfsgüter. Freiwillige Helfer des DRK transportierten die Güter mit Hilfe einer Wittener Spedition nach Kursk. Es wurden von 1990 bis 1994 mit 9 Konvois insgesamt 27 schwere LKW-Ladungen nach Kursk transportiert. Diese große Solidarität der Wittener – wenn auch in Anbetracht der damaligen Not nur eine kleine Hilfe – hat den Menschen in Kursk die Partnerschaft bewusst gemacht. Witten ist seitdem zu einer „bekannten Größe“ in der russischen Stadt geworden.

 

Nach bekannt werden des Partnerschaftsvertrages 1990 entwickelte sich sehr schnell ein Netzwerk von Beziehungen zwischen den beiden Städten durch die vom Freundeskreis und von anderen Institutionen, Geschäftsleuten, Vereinen und der Stadt veranstalteten kulturellen Austauschprojekte, Hilfsprojekte und Besucherreisen. Aus den vielen gegenseitigen Besuchen entwickelten sich private Freundschaften. Fast ständig gibt es Reisende zwischen den Städten. Auch Ehen wurden schon geschlossen. Manche Wittener und Kursker Bürger verbringen ihren Urlaub in der Partnerstadt.

Alle Partnerschaftsaktionen aufzuführen, würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Der Freundeskreis hat damit begonnen, eine Dokumentation anzulegen. Ein Teil der Dokumentation liegt bereits digitalisiert vor. Sie kann eingesehen werden in unserem Online-Archiv.

 

Wittener Besuchergruppe 1990 in Kursk

 

Besuchergruppe aus Kursk 1991 in Witten

 

Zum 25-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Witten und Kursk im Jahre 2016 veranstaltete der Freundeskreis eine Ausstellung im Wittener Rathaus und in beiden Städten gab es Kulturveranstaltungen:

1991 bis 2016 - Ausstellung 25 Jahre Partnerschaft

 

Kulturveranstaltungen zum Jubiläumsjahr in Witten

 

Kulturveranstaltungen zum Jubiläumsjahr in Kursk

 

Zum Deutsch-Russischen Forum - Liste aller Städtepartnerschaften

 

 

 

 

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